Unser Gemüsegarten in Kanada

Aktualisiert: März 6

Unser Gemüsegarten in Kanada


Unser Leben in Nova Scotia während der Pandemie


Leben und wohnen in Kanada - hier ist doch die Welt in Ordnung, oder? Vermutlich hört man in Deutschland nicht allzu viel über das zweitgrößte Land der Welt. Tatsächlich lässt sich das Virus leider nicht von Elch, Bieber und Co. einschüchtern und auch Ahornsirup scheint nicht gegen diese neue Art der Bedrohung zu helfen. Auch in Kanada gibt es Fälle, vor allem in Québec, wo die Frühjahrsferien schon Anfang März begannen, als die Welt noch in Ordnung war.


Wir hier in Nova Scotia bemerkten lange nichts von Toilettenpapiermangel, Einreisebeschränkungen und Gesichtsmasken.


Wir sollten möglichst oft Händewaschen und alles desinfizieren. Nur leider gab es schon Mitte März kein Desinfektionsmittel mehr, jedenfalls konnte ich nirgendwo welches finden. Irgendwann ergatterte ich noch eine Sprühflasche mit einem Duft, auf den ich mit meiner Duftallergie allergisch reagiere. Kannst nicht gewinnen. In der Woche vor den Frühjahrsferien fand der Unterricht wie gewohnt statt, es gab sogar noch Sportveranstaltungen. Erst am ersten Tag der Ferien kam dann der Hinweis, dass die Ferien noch länger dauern würden, zunächst zwei Wochen.


Unterschiede zu Deutschland


Für uns, die wir ja nach wie vor die Nachrichten aus Deutschland verfolgen war es keine große Überraschung. Wir wussten, dass das Virus vermutlich keine Grenzen beachten würde und dass es nur eine Frage der Zeit war, bis es zu uns nach Nova Scotia käme. Wir waren und sind trotzdem guter Dinge, weil wir in einem recht dünn besiedelten Landstrich wohnen und somit genügend Auslauf haben.


Nach einem sehr harten Lockdown von März bis Ende Mai 2020 sanken die Fälle rapide. Seit Juli 2020 konnten die Restriktionen immer weiter gelockert werden. Bei einem Aufflackern der Fälle wird lokal reagiert und eingedämmt. Somit leben wir ein weitestgehend "normales" Leben. Die Mehrheit der Bevölkerung in Nova Scotia hält sich an die Regeln und ist bemüht.



Mangelwaren


In Nova Scotia war es im Frühjahr 2020 schwierig, einige Produkte zu erwerben, z. B. Mehl, Hefe, Desinfektionsmittel. Fleisch wurde in einigen Läden auf 1 Portion/Einkauf rationiert, ebenso Milch. In einer Familie mit 2 Kindern kommt man damit nicht allzu weit. Wir versuchten, alle Lebensmittel so gut es geht online bei unserem lokalen Supermarkt zu bestellen, mit Karte online zu bezahlen und diese fertig eingepackt nur noch abzuholen.


Leider waren die Slots, also die Abholzeiten, die man vorher reservieren muss, oft so ausgebucht, dass man schon 2 Wochen vorher online seine Bestellung fertig haben musste. Dies verlangte einiges an Planung und Konzentration, besonders wenn man mit dem Angebot nicht sehr vertraut ist und es immer wieder Produkte eben nicht gab.



Unser Gemüsegarten in Kanada


Wir haben hier auf jeden Fall eins: Platz. Unser Haus ist für kanadische Verhältnisse zwar klein, aber für uns reicht es vollkommen aus. Im Garten haben wir genügend Platz für unseren Gemüsegarten. In Hamburg und in Schleswig-Holstein hatten wir auch immer im Garten Gemüse und Obst. Wir waren sehr gespannt, was wohl in unserem kanadischen Garten wachsen würde.


Omas wertvolle Tipps für unseren Küchengarten


Apropos Erfahrungen: Ich erinnere mich mittlerweile an die Tipps und Tricks meiner Mutter und meiner Omas. Geht es Euch auch so? Plötzlich wollen wir wieder wissen, wie man Brot backt, wie man selbst Hefe herstellt und wie wir unser eigenes Gemüse ziehen können. In den Gärten unserer Nachbarn sprießt ein Gewächshaus nach dem anderen aus dem Boden (unsere Baumärkte in Nova Scotia wurden stets als essentiell angesehen und waren daher immer geöffnet). Bauern, die Samen für das kühle Atlantikklima gezüchtet haben, können sich vor Bestellungen kaum retten. Da ich mit den Kinder eh ein Frühjahrspflanzprojekt und einen Gemüsegarten geplant hatte, kümmerte ich mich rechtzeitig um Samen für Kräuter, Gurken, Zucchini, Tomaten, Kürbis und dergleichen mehr.


Zum Glück hatte unser Vorbesitzer einen kleinen eingezäunten Gemüsegarten hinterlassen. Wir mussten ein wenig "klar Schiff" machen, hatten uns vom Baumarkt Pflanzenerde und einen Spaten liefern lassen und freuten uns nun auf Mitte Juni, wenn der letzte Frost vorbei sein sollte. Ja, Mitte Juni.

Du bist ewig für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Éxupery

Zartes Gemüse im rauen Atlantikklima


Während es also draußen schon recht frühlingshaft für Nova Scotia war zogen wir aus den kleinen Samen für Thymian, Basilikum, Tomate und Paprika kleine Setzlinge, die wir dann im Juni nach draußen setzen konnten. Natürlich war es im kanadischen Frühling noch viel zu kalt und zu gefährlich draußen in der unerbittlichen Natur. Nein, unsere kleinen Baby-Pflänzchen, wie sie unser Chef-Gärtner (unser Jüngster) nennt, brauchten Wärme und Schutz. Und unser Jüngster, der brauchte eine Aufgabe und Routinen, einen Tagesablauf. Zwei Fliegen mit einer Klappe wollten geschlagen werden.


Während ich in "normalen" Zeiten nur einen überschaubaren Gemüsegarten mit wenig Pflanzen und ein paar Kräuter gepflanzt hätte, hatte ich ja nun die perfekte Entschuldigung, doch ein wenig mehr Samen auszuprobieren. Obwohl es passend und verlockend klang, entschied ich mich gegen die Deluxe Apocalypse Vielfalt und suchte selbst aust. Früher shoppte ich gern Klamotten, heute bestelle ich gern bei dem Samenhändler meines Vertrauens. Tja, Zeiten ändern sich. Jetzt dreht sich alles um die Gurke und die Melonen. Ja, auch Melonen wollen wir hier im kanadischen Boden anpflanzen. Angeblich funktioniert das sogar. Unsere Wahl fiel auf eine frühblühende, süß schmeckende Wassermelone mit dem klangvollen Namen Early Moonbeam Watermelon, die ein gelbes Fruchtfleisch hat. Lecker!

Die Zeit, die du für deine Rose gegeben hast, sie macht deine Rose so wichtig. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Éxupery


Unser Gemüsegarten als Aufgabe für die Kinder


Die Gurkenpflanzen hatten wir zusammen mit den Pimentos und Schnittlauch bereits in alten Eierkartons vorgezogen. Unser Jüngster stand jeden Morgen auf, schnappte sich seine Wassersprühflasche und beschoss andächtig und hingebungsvoll unsere zarten Pflänzchen in unserem Indoor-Gemüsegarten. Dann lief er zu seinem Aufgabenkalender und klebte den Sticker "Pflanzen gießen" auf die "erledigt" Spalte. So begann seine Morgenroutine gleich mit einem Erfolgserlebnis und wir alle freuten uns wie die Schneekönige, wenn wieder ein winziges Grün aus der Erde hervorlugte.


Unser Sohn lernt durch diese schöne Beschäftigung auch gleich den Kreislauf des Pflanzenlebens kennen und was es braucht, damit aus den Samen Pflanzen werden können.

Um diesen Kreislauf noch anschaulicher zu machen, habe ich eine kleine Aktivität für ihn erstellt. Er schneidet dafür Bilder aus und klebt sie an die richtige Stelle auf dem Arbeitsblatt. Ihm macht es Freude und er kann mit der Aktivität noch besser nachvollziehen, was seine Pflänzchen brauchen.


Da die Pflanz- und Wachsaktivität unserem Sohn so gut gefällt, möchte ich sie gern mit Euch teilen.


Ich glaube, jeder in unserer Familie hatte eine ganz innige Beziehung zu unserer ersten Gurkenpflanze entwickelt, unser erstes Babypflänzchen. Wir empfinden es als beruhigend und unglaublich schön, unsere Pflanzen aufwachsen zu sehen und für sie zu sorgen. Die Aussaat stärkt unsere Verbindung zur Natur und unser Vertrauen in uns selbst.


Samen mit Charakter


Unser Haus glich mittlerweile einem Gewächshaus, wenn nicht überall auch noch Unterrichtsmaterial fürs Homeschooling herumliegen würde. Die zarten Sprösslinge erhielten die besten Plätze am Fenster und vor dem Ofen, damit sie auch ja nicht frieren . Wir wältzen Gartenkalender und ließen uns von unseren Samenhändlern beraten, wie wir die Pflanzen zu behandeln haben. Es soll ihnen ja an nichts fehlen. Wir wollen ja nur ihr bestes... hehehe.



Blumen sind nicht nur schön, sondern halten auch Hasen vom Kohl fern


Neben den Gemüsepflänzchen hatten wir auch Samen für Blumen und Kräuter erworben. Gemüse gedeiht nämlich besser, wenn zwischendrin oder um das Gemüsebeet herum bestimmte Blumensorten und Kräuter gepflanzt werden. Unabsichtlich haben wir die Blumen mit Filmen und Serien in Verbindung gebracht, die wir gerade geguckt haben. Soweit ist es nun schon. Die Wild Evening Primrose lässt uns an die Figur aus Die Tribute von Panem denken, bei der French Dwarf Double Marigold hatten wir wohl Marigold aus Downton Abbey im Sinn, und die Old Fashioned Vining Petunia - darauf kommt Ihr doch wohl selbst, oder?



Die Gemüse- und Kräutersamen mit den klangvollen Namen ordentlich verstaut.


Neben der Beeinflussung aus Film und Fernsehen haben wir bei der Auswahl der Gemüse- und Blumensorten für unseren Gemüsegarten auch darauf geachtet, dass sie sich auch gut miteinander verstehen. Jaha! Mit zwei Söhnen 24/7 zuhause wollen wir nicht auch noch Gemüse-Streitschlichter werden. Das ist schon ein wenig wie im Klassenzimmer, wo ich als Lehrerin die Sitzordnung festlege. Deshalb planen wir nun unseren Gemüsegarten unter der Berücksichtigung der Freundschaften und Verträglichkeiten. Früher mussten die Schuhe zum Outfit passen, heute das Gemüse zu den Blumen.


Wie schütze ich mein Grünzeug?


Falls wir mal Zahnschmerzen haben sollten und uns das Schmerzmittel ausgegangen ist, so könnten wir auf das Heilkraut Spilanthes zurückgreifen. In Deutschland hatte ich auch gern Salbei und Minze im Garten, gegen Halsschmerzen und Bauchweh waren dies meine Hausmittelchen. Die besagte Marigold (auf Deutsch übrigens Ringelblume) hält auch die kleinen Feldhasen vom Salat ab. Der Osterhase ist zwar ein "essential worker", aber an meine Karöttchen kommt er bitte nicht. Mal gucken, ob er sich von der Ringelblume beeindrucken lässt.


Apropos Bedrohung durch Wildtiere: Wir haben neben Hasen auch Eichhörnchen, verschiedene Vogelarten und Rehe im Garten. Die Rehe sind eine richtige Gang, die selbstbewusst durch die Straßen stolzieren und sich überhaupt nicht beeindrucken lassen. Im Prinzip hilft wohl nur ein Elektrozaun ums Beet, aber soweit sind wir noch nicht.


Nachdem ich vor ein paar Jahren Tausende von Nacktschnecken dabei erwischte, wie sie unsere leckeren Tomaten aufnaschten, begingen unser Ältester und ich ein nächtliches Nacktschnecken-Massaker in unserem Garten. Die Spaten blitzten im Mondlicht, sag ich nur. Neulich guckten die Kinder und ich eine neue Folge von Shaun das Schaf, da passierte dem Hütehund genau das gleiche. Eine hervorragende Serie, da wird der Zuschauer da abgeholt, wo er steht. Seit dem Schneckenalarm weiß ich jedenfalls, dass erfolgreiche Ernten auch Mitesser anlocken.



Recycling und Wiederverwendung


Ich interessierte mich für Downsizing und Decluttering, wie es neudeutsch so schön heißt. Ich empfinde es als befreiend, mich von Dingen zu trennen, die nur rumstehen und die keiner mehr braucht. Am wohlsten fühle ich mich im Wohnmobil und einem Storage mit ein paar Erinnerungsstücken. Vielen Menschen, die harte Zeiten wie z. B. Kriege überstanden haben, empfinden es als schwierig, sich von Dingen zu trennen. Scheinbar alles hat so seinen Wert und seinen Sinn. Meine Großtante pflegte zu sagen: "Wenn Du etwas wegwirfst, dann brauchst Du es plötzlich wieder." Ich muss dazu sagen, dass sie sehr ordentlich war und nichts herumlag. Das einzige, wovon ich mich nur sehr schwer trennen kann, sind Fotos und Bücher. Aber so hat jeder etwas, an dem er hängt.


Nun hat alles wieder einen ganz anderen Wert. Während des Lockdowns war ein Auto kaum noch wichtig für das tägliche Leben. Ich freute mich im Frühjahr 2020 über Eierkartons, die ich als Pflanzbehälter für die Samen benutzen kann. Selbst in Eierschalen können wir Samen hoch ziehen. Vorausgesetzt, dass wir das Ei fachmännisch köpfen. Das Geräusch, das beim Schneiden der Eierschale entsteht, schraubt mir zwar die Fußnägel hoch, aber was tut man nicht alles für die Familie. Joghurt gab es noch in rauen Mengen und so benutzte ich auch die leeren Behälter, die früher auf dem Recyclingmüll gelandet wären, als Pflanzschalen.




So ziehe ich Salat im Joghurtbecher nach.


Schmeißt Ihr Gemüsereste weg? Überlegt Euch, ob Ihr einen Salatstumpf, Knobizehe, Zwiebelwurzel und Karottengrün nicht doch noch wieder verwerten könnt. In den oben genannten Joghurtbechern (die großen) züchte ich gerade einen Salatkopf nach und mein Knoblauch treibt schon. Demnächst will ich mich mal an eine Kartoffel herantrauen, dazu benötigt man nur ein wenig Schale mit einem "Auge", um sie nach zu züchten.


Anmerkung Februar 2021: Ob es geklappt hat oder nicht erzähle ich Euch im nächsten Beitrag!


Habt Ihr auch Eure Liebe zum Gemüsepflanzen entdeckt? Was sind Eure Tipps und Tricks?



„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ Die Stadt in der Wüste / La citadelle, Antoine de Saint-Éxepery.

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